Zum Thema des Films:

„Sie sind schmutzig. Sie klauen. Sie sind ungebildet.“ Das sind die drei häufigsten Formulierungen, die mit den Roma in Bulgarien in Verbindung gesetzt werden. Viele der Bulgaren fühlen sich bedroht und ungerecht behandelt. Ihre Abneigung gegenüber den Roma wird verstärkt durch ein zunehmend wachsendes Nationalgefühl und den Stolz, ein ethnischer Bulgare zu sein.

Nach offiziellen Angaben leben knapp 400 000 Roma in Bulgarien. In Wirklichkeit aber wird geschätzt, dass es zwischen 800 000 und 1 Million. Ein großer Teil der Roma, denen es gelungen ist, sich zu integrieren, verstecken ihre Wurzeln. Sie fürchten sich vor den Vorurteilen, mit denen ihre Abstammung abgestempelt wird.
Wie kommt es zu solchen Denkschubladen? Ist der bulgarische Nationalismus mit Ethnophobie verbunden? Dieser Film versucht einen neutralen Überblick über das Problem zu liefern und diese Fragen zu beantworten.

Bulgarische Nationalisten, Vertreter der Roma, Politiker, Schüler, Rentner teilen ihre Betrachtungen und Erfahrungen vor der Kamera mit. Manche fühlen sich bedroht und ausgenutzt, andere – diskriminiert und unterdrückt. Eins verbindet die beiden Pole – sie fühlen sich als Opfer in ihrem Heimatland – Bulgarien.


Zum Aufbau des Films:

Musikalisch eingerahmt von den Bildern des Romakinderfestivals führt uns der Film an verschiedene Schauplätze:
Zu einer Romasiedlung, in der es seit einem halben Jahr kein Wasser gibt und sich Ratten ungestört vermehren.
In eine Grundschulklasse, wo es nur ein bulgarisches Kind unter Kindern mit Roma-Abstammung gibt und die unterschiedliche Ethnie zu Mobbing zwischen den Kindern führt.
Zu einem Protest von über 300 verärgerten Bulgaren, die sich auf der Straße versammeln und fordern, dass die benachbarte Romafamlie das Wohnhaus verlässt.
Ein Besuch in einem bulgarischen Gymnasium, zeigt das extreme nationale Bewusstsein unter Jugendlichen.


Die Protagonisten:

D. Mavrodiev ist Vertreter der nationalistischen Partei „ATAKA“
Das nationalistische Gefühl bezeichnet er als „genetisch inplantiert“ und erstrebenswert. Bulgarien braucht eine Form des Nationalismus, das in Selbstverneinung übergeht.
Die Roma sind eine „Gefahr“ für das Land, durch ihr kriminelles Verhalten und die Privilegien, die sie genießen.

D. Kolev ist Vorsitzender der Roma-Organisaton „Amalipe“ und ist selbst Roma.
Er veröffentlicht Bücher über die Romakultur, unterrichtet Philosophie und organisiert Festivals für Jugendliche, wo die Toleranz im Mittelpunkt steht. „Leider ist der bulgarische Nationalismus immer mit Ethnophobie verbunden.“ – sagt er und erklärt, dass die Diskriminierung gegenüber den Roma in Bulgarien stark gewachsen ist.

M. Ilieva ist die rechte Hand des Bürgermeisters von Veliko Tarnovo.
Sie ist Mitglied der demokratischen Partei „GERB“ und leitet Projekte zur Förderung der Integration von Roma.
Ein Wohnprojekt hat das Ziel, bedürftige Roma in Wohnhäusern zusammen mit bulgarischen Familien unterzubringen. In diesem Projekt sind Akademiker, Künstler und „Sozial-Schwache“, die nicht zur Schule gegangen sind, Nachbarn. Ilieva ist sehr optimistisch, denn die meisten dort untergebrachten Roma-Familien haben sich bereits integriert.

Ivan verkauft Souvenirs in der Orthodoxen Kirche und morgens verteilt er Zeitungen. Er versteht sich als Nationalist und stört sich an der Anwensenheit der Minderheiten in Bulgarien. Laut Ivan ziehen die Roma das Land zurück in seiner Entwicklung.
Menschen, die in Bulgarien leben, sich aber selbst nicht als Bulgaren sehen, gehören nicht in das Land.

Zdravka und Ivan sind seit 40 Jahren verheiratet. Sie haben im Sozialismus gelebt und sind Sympathisanten dieser Zeit. Beide arbeiteten als Lehrer in einer Grundschule, wo ein Großteil der Kinder Roma waren. „Wir haben nichts Böses von ihnen gesehen.“, sagt Zdravka und bewundert die Fleißigkeit und den Eifer, die viele Roma-Kinder bei ihr erwiesen haben. Ivan betont, dass der Nationalismus staatlich konstruiert ist und nicht zu der menschlichen Natur gehört. Was das schlechte Image der Roma angeht, sagt Ivan: „Ein Mensch kann nicht hungrig einschlafen. Wenn er keine andere Möglichkeit hat, weil er von überall verjagt wird, dann geht er klauen und das ist natürlich.“